Ein Bericht von Sieglinde Gruber, Ernährungs- und Sozialberaterin aus Liezen / Stmk.


Im Zuge einer Permakulturreise im Jänner dieses Jahres durfte ich Teile Kenias in Afrika kennenlernen.
Ausgehend von Nairobi waren die Insel Rusinga Island am Viktoriasee, Sori, der Süden von Kenia mit einem Teil der Massei Mara und Narok im Landesinneren, unsere Stationen.
Ziel dieser Reise war es, den Menschen vor Ort mit Permakultur ein
Gestaltungswerkzeug in die Hand zu geben, mit dem sie wieder ökologisch intakte und wirtschaftlich tragfähige Systeme schaffen können, um so ihren eigenen Bedarf zu decken. Sie bekamen Zugang zu einfachen Maßnahmen, wie sie mit der dortigen Erosion umgehen
können, um wieder fruchtbares Land zu gewinnen…aber auch wie sie mit einfachen Mitteln selber anbauen können, um sich und ihre Familien selber zu ernähren und mit dem erwirtschafteten Gewinn auch die Ausbildungen ihrer Kinder zu finanzieren. Eine Methode, wie ich finde, die sie in ihre eigene Selbstständigkeit führt und nicht in die Abhängigkeit von irgendwelchen Geld- und Spendengebern.
Wenn ich früher von Afrika hörte, verband ich es immer gleich mit irgendwelchen Hilfsprojekten, die dieses „Entwicklungsland“
unterstützen sollten. Für mich steht heute die Frage im Raum: „Ja, wohin sollen sie sich denn entwickeln? Zu unseren wirtschaftlich erstrebenswerten Zielen? Die ihnen ihre eigenen Ressourcen, Bodenschätze und Grundstücke nehmen und sie somit in die Abhängigkeit von wirtschaftlich tonangebenden Ländern treiben?
Oder hin zu unseren gesellschaftlichen Vorstellungen? Wo es viel mehr um Egoismus und Alleinertum geht, als um Gemeinschaft und Gemeinwohl? Wo viele Kinder mit materiellen Dingen überhäuft werden und ihr Spielen in der Natur und ihr wundervolles Lachen verloren haben?
Oder zu Frauen, die ihre weibliche Kraft in männliche Macht eingetauscht haben? Zu Menschen, die die saisonalen Früchte der Region nicht mehr essen, sondern lieber auf Fertigprodukte zurückgreifen und zu jeder Jahreszeit alles brauchen, was dann aufwendig in anderen Ländern produziert wird, um uns ja nicht eintönig, vielleicht doch gesund zu ernähren?
Oder zu Menschen, die zu große Autos oder Maschinen fahren, in riesengroßen Häusern wohnen und den Kontakt zur Natur völlig verloren haben? Was wollen wir diesen Menschen wirklich mitgeben?
Haben wir vielleicht diese „Entwicklungshilfe“ selbst nötig?
Ich für mich kann nur sagen, ich bin reich beschenkt zurückgekommen
und werde sicher nicht mehr von Entwicklungshilfe sprechen.
Wenn dann von Nachbarschaftshilfe; aber um diese einem anderen Land
oder einem Menschen zu geben, ist es notwendig, sich mit ihm auf die
gleiche Stufe zu stellen, den anderen mit seinen Qualitäten und
Erfahrungen zu sehen, um dann gemeinsame gute Lösungen zu finden.
Das hat mit gegenseitigem Respekt und Achtsamkeit zu tun!
Diese sogenannten „Entwicklungsländer“ haben uns viel zu geben, das sollten wir nie vergessen!!!

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